Michael Kruse

Karfreitag, ein Tag zum Erinnern – Gedanken zum Deutschen Auslandseinsatz und unseren gefallenen Soldaten

In der letzten Woche ist der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan vom Deutschen Bundestag verlängert worden. Es ist ein Einsatz, der Frieden, Freiheit und Menschenrechte sichert. Nach bald 20 Jahren und einer nach wie vor äußerst instabilen Situation im Land eine Entscheidung, die vielen Abgeordneten nicht leicht gefallen ist. Zu bedrohlich die Situation im Land für Afghanen und für unsere Soldaten, zu fragil die Stabilität in den Bereichen, die von der Regierung kontrolliert werden, zu mächtig auch nach so langer Zeit der Einfluss der Taliban, die gegen eine freie, auf Menschenrechten für jede und jeden basierende Gesellschaftsordnung mit Brutalität kämpfen. Und doch hat sich das Parlament zu einer zehnmonatigen Verlängerung zum Ausbau der Stabilität entschieden. Für Abgeordnete sind die Entscheidungen über Auslandseinsätze in „bewaffneten Konflikten“ die schwersten überhaupt. Das, was umgangssprachlich ganz einfach als Krieg beschrieben wird, es ist nichts, bei dem über die Beteiligung leichtfertig entschieden werden kann. Wenn jedoch die letzten 20 Jahre in diesem Einsatz für die Menschen dort, aber auch für die Sicherung von Freiheit und Frieden nicht umsonst gewesen sein sollen, dann ergibt ein ungeordneter Rückzug keinen Sinn, denn er würde rückwirkend den gesamten Einsatz infrage stellen und sein Ziel geriete außer Reichweite.

 

Für die meisten Menschen ist Karfreitag ein österlicher Feiertag. Allerdings ist Karfreitag für die Menschen, die unserem Land dienen, auch immer ein Tag der Erinnerung. Peter Tauber sprach anlässlich des 10. Jahrestags des Karfreitagsgefechts davon, dass dieser Tag zur „Erinnerungskultur“ unserer Bundeswehr gehöre und ich finde, er hat das sehr gut ausgedrückt. Heute vor elf Jahren sind in Afghanistan drei Soldaten der Bundeswehr ums Leben gekommen in einem Gefecht, das neun Stunden dauerte und viele Menschen das Leben kostete. Auch damals war Karfreitag, der 2. April. Und deswegen gehört an diesem Tag das Erinnern im Sinne von Frieden und Freiheit für viele leider dazu.

 

Als die Kräfte der 3. Kompanie des Fallschirmjägerbataillon 373 sowie weiterer Verbände im südlichen Chahar Darreh in der Provinz Kunduz bei einer Operation eingesetzt waren, wurden sie in ein Gefecht verwickelt, das ihre Vernichtung zum Ziel hatte. Bei dem Gefecht fielen Hauptfeldwebel Nils Bruns, Stabsgefreiter Robert Hartert und Hauptgefreiter Martin Augustyniak. Freunde, Familienmitglieder, Männer in meinem Alter und jünger. Man muss keine persönliche Verbindung zur Bundeswehr haben und man muss auch deutsche Auslandseinsätze nicht befürworten, um an diesem Tag eine kurze Zeit an die Hinterbliebenen dieser Menschen zu denken.

 

Die Soldaten, die sich in Afghanistan für die Werte und den Schutz unserer Gesellschaft eingesetzt haben, dürfen nicht vergessen werden. Inhaltlich mag man über die Einsätze der Bundeswehr unterschiedlicher Meinung sein. Ein fortwährender Diskurs über den Einsatz unserer Parlamentsarmee insbesondere bei bewaffneten Konflikten im Ausland ist sogar zwingend erforderlich, um in einem Land mit einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu der richtigen Entscheidung zu kommen in einem Umfeld, in dem es nur schwierige Entscheidungen gibt. Diejenigen jedoch, die Opfer für diese Entscheidungen bringen, dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

 

Hamburg ist für viele Soldaten eine wichtige Station in ihrem Berufsleben. Die Bundeswehruniversität und die Führungsakademie der Bundeswehr sorgen dafür, dass die Ausbildung junger, sowie erfahrener Soldaten auf einem sehr hohen Niveau stattfinden, akademisch geprägt wird und fest auf den Werten unseres Grundgesetzes aufbaut. Mit dem Bundeswehrkrankenhaus wird ein hoher Grad medizinischer Spezialisierung auch in Friedenszeiten und für Zivilisten gewährleistet und Bundeswehrangehörige sind an vielen Teilen fester Bestandteil des sozialen Lebens in unserer Stadt. Dass die Politik die vielen Menschen bei der Bundeswehr dabei lieber hinter verschlossenen, als vor offenen Türen empfängt, kann für eine Parlamentsarmee, die die Friedenssicherung als Aufgabe hat, durchaus verwundern. Vielleicht wäre das Erinnern an Karfreitag außerhalb von Pandemiezeiten ein guter Anlass, dies einmal zu ändern.

 

Eine von vielen Organisationen, die aktiv gegen das Vergessen kämpft, ist die Invictus Games Foundation, siehe https://invictusgamesfoundation.org/ . Die Invictus Games sind ein wichtiger Bestandteil von Erinnerungskultur. Als FDP-Fraktion haben wir uns vor einigen Jahren dafür eingesetzt, diese Spiele nach Hamburg zu holen. Sie dienen dem körperlichen und seelischen Aufbau derjenigen Soldaten, die Schäden aus dem Kriegseinsatz mitgenommen haben. Sie nach ihrem Einsatz für unser Land wieder in die Gesellschaft zu holen und ihre seelischen und körperlichen Wunden nicht wie ein Tabu zu behandeln, ist das Mindeste, was wir ihnen schulden. In diesem Sinne gehört zu Karfreitag in der neueren deutschen Geschichte auch die Erinnerung an Menschen, die für unser Land gedient und damit dafür gesorgt haben, dass wir Ostern in Frieden und Freiheit feiern können. Diese Erinnerung, möge sie uns gerade in schwierigen Zeiten der Pandemie die Kraft geben, zu sehen, dass bei allen derzeitigen Einschränkungen wir in einem tollen Land leben, für dessen Verteidigung manche Menschen von uns sogar ihr Leben gelassen haben.

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